Wir sind unterwegs!

Und dann ging es doch schneller als gedacht. Anfang letzter Woche sind wir nach Berlin gefahren, zum türkischen Generalkonsulat, in der Erwartung, auf jede Menge Vorbehalte zu stoßen. Stattdessen brauchten wir nur zu sagen: ein Rettungswagen für Diyarbakir, und alle Türen öffneten sich. Wie Simsalabim.

Der beeidigte Übersetzer schob unsere Spendenbescheinigung dazwischen und verzichtete auf Honorar. Der Beamte in der Stempelstelle des Konsulats holte den Notar aus einer Besprechung, damit er uns Rat gebe. Niemand wollte unsere Identität überprüfen oder Inhalt und Ziel der Hilfslieferung. Alle wollten nur behilflich sein. Mit jeder Menge Stempeln standen wir ohne großes Warten schon bald wieder auf der Straße. Der Weg nach Diyarbakir war frei!

Dann ging das große Packen los.
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Insgesamt acht Umzugskartons voller medizinischer Geräte und Verbrauchsmaterialien, dazu drei größere Geräte und jede Menge Verbandsmaterial, eine aufblasbare Trage und eine Trage mit rollbarem Gestell wurden akribisch gekennzeichnet und verstaut. Einen ganzen Tag dauerte das. Schließlich noch ein Check in der Werkstatt für den Wagen, einen Navigationsrechner und einen Ersatzreifen besorgt.

Und dann war es soweit: Um halb sieben in der Früh am Sonnabend, 3. September, startete unser Rettungswagen für Kobane zu der langen Reise Richtung Diyarbakir.

An Bord sind Fettah, Achim und Oma Heidi. Fettah kennt die Strecke in seine Heimatstadt aus dem Effeff, spricht Türkisch und Kurdisch und weiß, wie man mit den Behörden in der Türkei verhandeln muß. Achim war viele Jahre als Fernfahrer in Europa unterwegs und kann alles reparieren. Heidi bringt einen unbeugsamen Optimismus mit, sorgt mit ihren 71 Jahren für „Seriösität“ und will in Diyarbakir Kontakte für weitere Projekte und für einen Austausch mit Dresden knüpfen.

Denn es bleibt dabei: Die Grenze nach Syrien ist von türkischer Seite zwar unpassierbar. Das hindert uns aber nicht, in der Region zu helfen. Von Diyarbakir aus können wir die Hilfe für geflüchtete Familien aus Kobane, die jetzt in der Türkei festsitzen, unterstützen. Wir wollen auch aber den Einheimischen helfen, die selbst Entbehrungen auf sich nehmen, um den Flüchtlingen zu helfen, und die unter dem Bürgerkrieg zwischen der türkischen Regierung und den Milizen der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) leiden.

Wir hoffen, daß dieses Engagement auch über die Grenze ausstrahlt, und sei es symbolisch. Wir kommen nicht als Samariter, sondern wir suchen den Austausch. Wiederaufbau und Versöhnung statt Abschottung und Krieg. Das ist unser Ziel. Wenn das gelingt, leisten wir sinnvolle Außenpolitik von unten.