Rettet den Rettungswagen!

4. Oktober: Alarm aus Diyarbakir. Unsere Verbindungsleute bei der Metropolverwaltung melden uns, daß die türkische Zollverwaltung in Ankara die Herausgabe des Rettungwagens kategorisch und endgültig verweigert. Schlimmer noch: Die türkische Behörde kündigt an, den Wagen einzuziehen und zu verschrotten.

Ultimatum der türkischen Zollverwaltung für unseren Rettungswagen.

Ultimatum der türkischen Zollverwaltung für unseren Rettungswagen.

Was genau der Grund für die Blockade ist, steht in dem Schreiben nicht. Es wird lediglich auf eine Einzelvorschrift in den Zollregularien verwiesen.

Entscheidend für uns: Diese Lage ist auch für unsere Partner in Diyarbakir neu. Bislang war es ihnen problemlos möglich, Rettungswagen aus Deutschland oder der Schweiz als Spende entgegenzunehmen. Auf einmal gilt das nicht mehr.

Wir bemühen uns darum, die genaue juristische Begründung für die Blockade unseres Rettungswagens durch die Zollverwaltung noch zu klären. Im Vordergrund steht jetzt aber eine andere Sorge: Wir müssen den Rettungswagen retten!

Am Abend des 6. Oktober haben sich die Aktiven der Initiative „Dresden hilft Kobane“ zu einer Krisensitzung getroffen. Viele Telefonate und drei Tage später steht der Rettungsplan fest:

  • Am Dienstag, 11. Oktober, fliegt eine neue Crew von Dresden nach Antalya und fährt dann mit dem Nachtbus nach Ankara weiter. Dort verlangen wir die Herausgabe des Rettungswagens , um ihn aus der Türkei wieder auszuführen. Wir werden dazu die Unterstützung der deutschen Botschaft in Ankara in Anspruch nehmen.
  • Wir bringen den Rettungswagen dann nach Griechenland, genauer gesagt: in die Region Thessaloniki. Dort stellen wir den Wagen der Initiative „DocMobile“ zur Verfügung. DocMobile ist Anfang 2015 in Niedersachsen ins Leben gerufen worden. Freiwillige, vor allem Ärzte, kümmern sich um die medizinische Versorgung für Flüchtlinge, die wegen der Schließung der Balkanroute im Norden Griechenlands gestrandet sind.

Auch die gespendeten Geräte und Verbrauchsmaterialien sollen nun Flüchtlingen in Griechenland zugutekommen. Alle Spender haben sich sofort damit einverstanden erklärt. Herzlichen Dank dafür!

Hilfe für die gestrandeten Flüchtlinge in Griechenland ist bitter nötig. Die griechischen Behörden sind überfordert – personell und an Ressourcen. Zugleich dürfen sie nicht einmal mehr das Rote Kreuz um Hilfe bitten, weil die Situation nach dem EU-Abkommen mit der Türkei nicht mehr als Katastrophenfall eingestuft wird. Ergebnis: Die Flüchtlinge hausen notdürftig in nicht winterfesten Unterkünfte; das Essen ist mangelhaft. Krankheiten haben ein leichtes Spiel.

Weitere Informationen über DocMobile und die Lage der Flüchtlinge in Griechenland:

Nicht Kobane, nicht Diyarbakir, nun hoffentlich wenigstens Griechenland. Die Irrfahrt unseres Rettungswagens sagt viel aus über die Lage in Europa und Nahost. Die Politik versagt. Es gibt viel zu tun.