Geschafft: Rettungswagen in Griechenland

Geschafft.
Unser Rettungswagen ist frei.
Er ist jetzt bei DocMobile in Griechenland.

Das waren vier Tage in meinem Leben, die ich nicht so schnell vergessen werde.

Die Etappen: Pauschalflug nach Antalya – Nachtbus nach Ankara – ein Tag Verhandlungen im Zollamt; erfolglos – Übernachten im Gästehaus des türkischen Gewerkschaftsbundes – zweiter Tag im Zollamt; zwei Glücksfälle; der Rettungswagen kommt frei – 1.000 km Fahrt bis auf die Halbinsel Chalkidiki in Griechenland; vom Bosporus nur ein flüchtiger Blick aus dem Seitenfenster; schon im Dunkeln über die grandios angestrahlte Hängebrücke von Istanbul; Richtung Griechenland wird die Straße immer schlechter; skurrile Szenen am Grenzübergang um drei Uhr früh; und dann ohne Pause weiter durch die Nacht, bis im Morgengrauen der Berg Athos grüßt – Erholung mit Organisation der Rückreise und Bericht nach Dresden für die Öffentlichkeitsarbeit – anderntags Griechenland für Eilige: 500 km mit dem Mietwagen von Thessaloniki nach Athen, um den Flieger nach Berlin-Schönefeld zu erwischen.

Was mich aber viel tiefer beeindruckt, ja verstört, das sind die Straßenszenen in Antalya und Ankara. Boomtowns mit Glitzerpalästen und Prachtstraßen – ohne Bewohner. Überall hängen riesige Nationalflaggen – wer kann’s noch größer. Ein Bilderstreit um Atatürk – mal mit Gebetskranz, mal mit weißer Nelke; jedes Detail symbolisch aufgeladen. Die Menschen aber wie unter Strom, hastig, geduckt.

Griechenland dagegen wie bleiern. Die Autobahn leer – niemand kann sich die Mautgebühren leisten. Cafés ohne Kaffee – die Espressomaschinen bleiben ausgeschaltet, um Strom zu sparen. Immerhin, hier liegt keine Angst in der Luft. Immerhin, hier spricht der Zöllner fließend Deutsch. Immerhin, hier spricht die Grenzpolizei Englisch; die Beamten hören sich unsere Geschichte an, respektieren uns, glauben uns und lassen uns weiterfahren. So einfach kann das sein.

Und dann die Menschen von DocMobile. Soviel Gleichmut, soviel zupackende Menschlichkeit, soviel Großherzigkeit sind wie eine warme, erlösende Dusche nach der Anspannung von Ankara. Man möchte, daß sie nie aufhört. Ioannis und Jana öffnen ihr Haus für uns, wie sie es schon seit Monaten für eine junge kurdische Mutter tun, die mit zwei kleinen Kindern auf die Familienzusammenführung mit ihrem Mann in Deutschland wartet und wartet und wartet.

Draußen glitzert die Ägais wie im Bilderbuch. Drinnen türmt sich medizinische Ausrüstung, in der Küche und in einem Abstellraum; Fachausdrücke fliegen durch die Luft; es wird improvisiert und gebastelt. Im Wohnzimmer steht der alte Rechner von Ioannis – die Schaltzentrale von DocMobile.

Hier wird unser Rettungswagen nun gute Dienste tun. Und die Ausrüstung holen wir bald nach. Der Verlauf des zweiten Tages im Zollamt in Ankara läßt uns darauf hoffen. Nachdem ein Zollagent als Vermittler und Dolmetscher gefunden war und mit Hilfe der stillen Autorität des an diesem Tag eigens hinzugekommenen Verbindungsbeamten für Zollangelegenheiten aus der deutschen Botschaft dauerte es nämlich auf einmal nur 15 Minuten, um „den Prozeß in Gang zu setzen“, sprich: das Formular vorzubereiten, mit dem ich die Herausgabe des Rettungswagens beantragen konnte. Am Vortag dagegen hatten unsere kurdischen Freunde vergeblich Zimmer um Zimmer im Zollamt abgeklappert und versucht, jemanden zu finden, der ihnen sagte, wie „der Prozeß in Gang zu setzen“ sei. Nun denn, Bürokratie ist auf der ganzen Welt eine Sache für sich, nicht wahr?

Impressionen (bitte anklicken für eine größere Darstellung; vielen Dank an Gregor B. für die eindrucksvollen Bilder!):