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Fazit nach zwei Jahren

Liebe Freunde, liebe Unterstützerinnen, liebe Leserinnen und Leser!

Fast zwei Jahre lang haben wir uns in der Initiative „Dresden hilft Kobane“ dafür eingesetzt, den Opfern des Krieges im türkisch-syrischen Grenzgebiet zu helfen.

Wir sind nicht ans Ziel gelangt.
Warum?
Und was haben wir trotz allem erreicht?

Wir haben in vielen Aktionen rund 17.000 Euro gesammelt, um einen Rettungswagen gebraucht zu kaufen und nach Kobane beziehungsweise wenigstens bis nach Diyarbakir zu überführen. In den Wochen vor der Abfahrt im Sommer 2016 haben wir außerdem von Ärzten, Krankenhäusern und Sanitätern medizinische Hilfsmittel im Wert von rund 16.000 Euro erhalten. Die Metropolverwaltung in Diyarbakir wartete voller Hoffnung auf den Wagen und die Ausrüstung, um sie für Bedürftige einzusetzen. Die Gesundheitsverwaltung und der Zoll in Ankara ließen das jedoch nicht zu. In einer durchaus dramatischen Intervention im Oktober 2016 haben wir mit Unterstützung der deutschen Botschaft in Ankara wenigstens den Rettungswagen zurückbekommen und nach Griechenland gebracht. Dort nutzen ihn jetzt die Freiwilligen von DocMobile für ihre täglichen Einsätze für die dort gestrandeten Flüchtlinge. Unsere Ausrüstung jedoch ist wahrscheinlich im Januar 2017 vom türkischen Zoll konfisziert worden; was dann damit geschah, wissen wir nicht.

Wir haben versucht, Friedenspolitik von unten zu leisten.
Wir haben versucht, Menschen im Krisengebiet beizustehen, so daß sie gar nicht erst zu Flüchtlingen werden müssen.
Wir haben dafür von vielen Seiten Unterstützung erhalten. Allen, die uns praktisch geholfen, die gespendet oder uns beraten haben, danken wir von Herzen!

Gescheitert sind wir letztlich daran, daß die Behörden in der Türkei uns nicht als neutral wahrgenommen haben. Sie sahen in uns vielmehr die Helfershelfer von einer der Konfliktparteien im türkisch-syrischen Grenzgebiet, nämlich den Kurden. Schon der Verdacht, mit Kurden zusammenzuarbeiten, löst in der Türkei massive Abwehrreaktionen aus. Das haben wir schmerzhaft erlebt.

Allerdings hat auch die türkische Seite nichts erreicht. Sie hat eine Hilfsaktion verhindert. Aber die Konflikte in der Türkei und in den Nachbarregionen gehen weiter. Die Gewalt, die Ungerechtigkeiten, der Unfrieden, die Not – nichts davon ist besser geworden dadurch, daß die türkischen Behörden glaubten, uns in den Arm fallen zu müssen.

Wir glauben weiter daran, daß Frieden nur durch Menschlichkeit geschaffen werden kann.
Wir werden weitermachen – umsichtiger und geschickter.

Unser erster Schritt: Gut eintausend Euro sind aus der Aktion Rettungswagen an Spenden übriggeblieben. Wir setzen sie nun ein, um eine Familie in Diyarbakir zu unterstützen, die durch die jüngsten Kämpfe zwischen kurdischen Aufständischen und türkischen Spezialeinheiten obdachlos geworden sind. Wir hoffen, damit auch dem Willen unserer Spender gerecht zu werden!

Zum Abschied: Bilder von unserem Rettungswagen im Einsatz in Griechenland.
Vergeßt die Flüchtlinge dort nicht!

Derweil in Griechenland: Unser Rettungswagen im Einsatz

Es hat ein bißchen gedauert, bis der Wagen umgemeldet war, und dann fehlte noch ein spezielles Kabel für die Batterie. Aber inzwischen rollt unser Rettungswagen durch Griechenland! Er bringt dringend benötigte medizinische Hilfe zu den Flüchtlingen, die in Nordgriechenland verstreut warten und warten und warten, bis die griechische und europäische Bürokratie sich vielleicht doch noch ihres Asylantrags annimmt.

Unser Rettungswagen im Fernsehen: Das ZDF berichtete am 17.12. über die Arbeit von DocMobile in Griechenland.

Unser Rettungswagen im Fernsehen: Das ZDF berichtete am 17.12. über die Arbeit von DocMobile in Griechenland.

Am 19. November berichtete DocMobile erstmals über den Rettungswagen. Am 27. November waren Bilder von einem Einsatz auf ihrer facebook-Seite zu sehen. Und am 17. Dezember konnte man unseren Rettungswagen sogar im Fernsehen bewundern: Das ZDF berichtete in der Sendung „Mona Lisa“ über die Arbeit von DocMobile in Griechenland.

DocMobile – das ist ein Netz von wunderbaren Leuten, die magisch gut zusammenarbeiten und mit wenigen Mitteln viel bewirken. Weil sie sich auf das Wesentliche konzentrieren.
DocMobile hilft nicht nur vielen Menschen auf der Flucht. Sie tragen auch dazu bei, daß wir uns für Europa weniger schämen müssen.

Wenn Ihr könnt, unterstützt sie darin!
http://new.docmobile.org

… oder, noch hautnäher:
https://www.facebook.com/docmobile.org/

Geschafft: Rettungswagen in Griechenland

Geschafft.
Unser Rettungswagen ist frei.
Er ist jetzt bei DocMobile in Griechenland.

Das waren vier Tage in meinem Leben, die ich nicht so schnell vergessen werde.

Die Etappen: Pauschalflug nach Antalya – Nachtbus nach Ankara – ein Tag Verhandlungen im Zollamt; erfolglos – Übernachten im Gästehaus des türkischen Gewerkschaftsbundes – zweiter Tag im Zollamt; zwei Glücksfälle; der Rettungswagen kommt frei – 1.000 km Fahrt bis auf die Halbinsel Chalkidiki in Griechenland; vom Bosporus nur ein flüchtiger Blick aus dem Seitenfenster; schon im Dunkeln über die grandios angestrahlte Hängebrücke von Istanbul; Richtung Griechenland wird die Straße immer schlechter; skurrile Szenen am Grenzübergang um drei Uhr früh; und dann ohne Pause weiter durch die Nacht, bis im Morgengrauen der Berg Athos grüßt – Erholung mit Organisation der Rückreise und Bericht nach Dresden für die Öffentlichkeitsarbeit – anderntags Griechenland für Eilige: 500 km mit dem Mietwagen von Thessaloniki nach Athen, um den Flieger nach Berlin-Schönefeld zu erwischen.

Was mich aber viel tiefer beeindruckt, ja verstört, das sind die Straßenszenen in Antalya und Ankara. Boomtowns mit Glitzerpalästen und Prachtstraßen – ohne Bewohner. Überall hängen riesige Nationalflaggen – wer kann’s noch größer. Ein Bilderstreit um Atatürk – mal mit Gebetskranz, mal mit weißer Nelke; jedes Detail symbolisch aufgeladen. Die Menschen aber wie unter Strom, hastig, geduckt.

Griechenland dagegen wie bleiern. Die Autobahn leer – niemand kann sich die Mautgebühren leisten. Cafés ohne Kaffee – die Espressomaschinen bleiben ausgeschaltet, um Strom zu sparen. Immerhin, hier liegt keine Angst in der Luft. Immerhin, hier spricht der Zöllner fließend Deutsch. Immerhin, hier spricht die Grenzpolizei Englisch; die Beamten hören sich unsere Geschichte an, respektieren uns, glauben uns und lassen uns weiterfahren. So einfach kann das sein.

Und dann die Menschen von DocMobile. Soviel Gleichmut, soviel zupackende Menschlichkeit, soviel Großherzigkeit sind wie eine warme, erlösende Dusche nach der Anspannung von Ankara. Man möchte, daß sie nie aufhört. Ioannis und Jana öffnen ihr Haus für uns, wie sie es schon seit Monaten für eine junge kurdische Mutter tun, die mit zwei kleinen Kindern auf die Familienzusammenführung mit ihrem Mann in Deutschland wartet und wartet und wartet.

Draußen glitzert die Ägais wie im Bilderbuch. Drinnen türmt sich medizinische Ausrüstung, in der Küche und in einem Abstellraum; Fachausdrücke fliegen durch die Luft; es wird improvisiert und gebastelt. Im Wohnzimmer steht der alte Rechner von Ioannis – die Schaltzentrale von DocMobile.

Hier wird unser Rettungswagen nun gute Dienste tun. Und die Ausrüstung holen wir bald nach. Der Verlauf des zweiten Tages im Zollamt in Ankara läßt uns darauf hoffen. Nachdem ein Zollagent als Vermittler und Dolmetscher gefunden war und mit Hilfe der stillen Autorität des an diesem Tag eigens hinzugekommenen Verbindungsbeamten für Zollangelegenheiten aus der deutschen Botschaft dauerte es nämlich auf einmal nur 15 Minuten, um „den Prozeß in Gang zu setzen“, sprich: das Formular vorzubereiten, mit dem ich die Herausgabe des Rettungswagens beantragen konnte. Am Vortag dagegen hatten unsere kurdischen Freunde vergeblich Zimmer um Zimmer im Zollamt abgeklappert und versucht, jemanden zu finden, der ihnen sagte, wie „der Prozeß in Gang zu setzen“ sei. Nun denn, Bürokratie ist auf der ganzen Welt eine Sache für sich, nicht wahr?

Impressionen (bitte anklicken für eine größere Darstellung; vielen Dank an Gregor B. für die eindrucksvollen Bilder!):

Rettet den Rettungswagen!

4. Oktober: Alarm aus Diyarbakir. Unsere Verbindungsleute bei der Metropolverwaltung melden uns, daß die türkische Zollverwaltung in Ankara die Herausgabe des Rettungwagens kategorisch und endgültig verweigert. Schlimmer noch: Die türkische Behörde kündigt an, den Wagen einzuziehen und zu verschrotten.

Ultimatum der türkischen Zollverwaltung für unseren Rettungswagen.

Ultimatum der türkischen Zollverwaltung für unseren Rettungswagen.

Was genau der Grund für die Blockade ist, steht in dem Schreiben nicht. Es wird lediglich auf eine Einzelvorschrift in den Zollregularien verwiesen.

Entscheidend für uns: Diese Lage ist auch für unsere Partner in Diyarbakir neu. Bislang war es ihnen problemlos möglich, Rettungswagen aus Deutschland oder der Schweiz als Spende entgegenzunehmen. Auf einmal gilt das nicht mehr.

Wir bemühen uns darum, die genaue juristische Begründung für die Blockade unseres Rettungswagens durch die Zollverwaltung noch zu klären. Im Vordergrund steht jetzt aber eine andere Sorge: Wir müssen den Rettungswagen retten!

Am Abend des 6. Oktober haben sich die Aktiven der Initiative „Dresden hilft Kobane“ zu einer Krisensitzung getroffen. Viele Telefonate und drei Tage später steht der Rettungsplan fest:

  • Am Dienstag, 11. Oktober, fliegt eine neue Crew von Dresden nach Antalya und fährt dann mit dem Nachtbus nach Ankara weiter. Dort verlangen wir die Herausgabe des Rettungswagens , um ihn aus der Türkei wieder auszuführen. Wir werden dazu die Unterstützung der deutschen Botschaft in Ankara in Anspruch nehmen.
  • Wir bringen den Rettungswagen dann nach Griechenland, genauer gesagt: in die Region Thessaloniki. Dort stellen wir den Wagen der Initiative „DocMobile“ zur Verfügung. DocMobile ist Anfang 2015 in Niedersachsen ins Leben gerufen worden. Freiwillige, vor allem Ärzte, kümmern sich um die medizinische Versorgung für Flüchtlinge, die wegen der Schließung der Balkanroute im Norden Griechenlands gestrandet sind.

Auch die gespendeten Geräte und Verbrauchsmaterialien sollen nun Flüchtlingen in Griechenland zugutekommen. Alle Spender haben sich sofort damit einverstanden erklärt. Herzlichen Dank dafür!

Hilfe für die gestrandeten Flüchtlinge in Griechenland ist bitter nötig. Die griechischen Behörden sind überfordert – personell und an Ressourcen. Zugleich dürfen sie nicht einmal mehr das Rote Kreuz um Hilfe bitten, weil die Situation nach dem EU-Abkommen mit der Türkei nicht mehr als Katastrophenfall eingestuft wird. Ergebnis: Die Flüchtlinge hausen notdürftig in nicht winterfesten Unterkünfte; das Essen ist mangelhaft. Krankheiten haben ein leichtes Spiel.

Weitere Informationen über DocMobile und die Lage der Flüchtlinge in Griechenland:

Nicht Kobane, nicht Diyarbakir, nun hoffentlich wenigstens Griechenland. Die Irrfahrt unseres Rettungswagens sagt viel aus über die Lage in Europa und Nahost. Die Politik versagt. Es gibt viel zu tun.

Crew am Ziel, Wagen in Ankara

10. September 2016. Nach einer aufregenden und anstrengenden Reisewoche mit dem Rettungswagen von Dresden nach Diyarbakir ist Folgendes erreicht:

  • Die Crew ist sicher in Diyarbakir angekommen. Die letzte Etappe von Ankara aus haben sie im Flugzeug zurückgelegt.
  • Schlüssel und Papiere für den Wagen hat die Crew an den Oberbürgermeister von Diyarbakir, Herrn Firat ANLI, übergeben.
  • Der Rettungswagen samt Ausrüstung befindet sich noch in Ankara und wird derzeit vom Gesundheitsministerium zurückgehalten.
  • In dieser Woche sind in der Türkei wegen des Opferfestes alle Behörden geschlossen.

Um so weit zu kommen, sind Fettah und Achim Tag und Nacht gefahren. Sie hätten noch schneller sein können, wenn ein Fehler im Rechnersystem von Interpol sie nicht zu einer zweitägigen Zwangspause in Ungarn verurteilt hätte, weil der Reisepaß von Oma Heidi irrtümlich als gestohlen gemeldet war und erst ein Ersatzpaß bei der nächstgelegenen deutschen Auslandsvertretung besorgt werden mußte.

Etappen während der ersten Woche der Mission Rettungswagen 2016

Etappen während der ersten Woche der Mission Rettungswagen.

Die drei Crew-Mitglieder haben den Wagen keinen Moment aus den Augen gelassen. Selbst kurze Ruhepausen in der Nacht haben sie im Wagen verbracht. Die Strecke zwischen Istanbul und Ankara hat Heidi im Schneidersitz bewältigt – an einer Stelle im Wagen, wo eigentlich niemand sitzen sollte. Vor allem aber haben Fettah und Heidi verhandelt, auf Türkisch und Deutsch, mit Händen und Füßen, mit Geduld und Unbeugsamkeit, immer wieder, stundenlang. An der Schengen-Grenze. In der deutschen Botschaft in Budapest. Vor allem dann aber in der Türkei: beim Zoll in Istanbul (zehn Stunden) und mit dem Gesundheitsministerium in Ankara (bis jetzt zwei Tage).

Einen detaillierten Einblick in die Erlebnisse der Reise bis zu diesem Punkt bietet der Reisebericht von Oma Heidi (Teil1). Sie konzentriert sich auf die Fakten; gerade dadurch gerät ihr Bericht anschaulich und packend:

Mission2016_BerichtvonOmaHeidi_Teil1.pdf

Wie geht es weiter?

Das Tauziehen um die Herausgabe des Rettungswagens übernimmt jetzt die Großstadtverwaltung in Diyarbakir. Wir werden sie nach Kräften unterstützen – mit Hintergrundkontakten, mit Öffentlichkeit und, wenn es sein muß, auch mit juristischen Mitteln. Derweil nutzen Achim, Fettah und Heidi die nächsten Tage, um Diyarbakir und Umgebung zu erkunden, die Menschen dort näher kennenzulernen und mehr über die Lage im türkisch-syrischen Grenzgebiet zu erfahren.

Impressionen von der Reise
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Wir sind unterwegs!

Und dann ging es doch schneller als gedacht. Anfang letzter Woche sind wir nach Berlin gefahren, zum türkischen Generalkonsulat, in der Erwartung, auf jede Menge Vorbehalte zu stoßen. Stattdessen brauchten wir nur zu sagen: ein Rettungswagen für Diyarbakir, und alle Türen öffneten sich. Wie Simsalabim.

Der beeidigte Übersetzer schob unsere Spendenbescheinigung dazwischen und verzichtete auf Honorar. Der Beamte in der Stempelstelle des Konsulats holte den Notar aus einer Besprechung, damit er uns Rat gebe. Niemand wollte unsere Identität überprüfen oder Inhalt und Ziel der Hilfslieferung. Alle wollten nur behilflich sein. Mit jeder Menge Stempeln standen wir ohne großes Warten schon bald wieder auf der Straße. Der Weg nach Diyarbakir war frei!

Dann ging das große Packen los.
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Insgesamt acht Umzugskartons voller medizinischer Geräte und Verbrauchsmaterialien, dazu drei größere Geräte und jede Menge Verbandsmaterial, eine aufblasbare Trage und eine Trage mit rollbarem Gestell wurden akribisch gekennzeichnet und verstaut. Einen ganzen Tag dauerte das. Schließlich noch ein Check in der Werkstatt für den Wagen, einen Navigationsrechner und einen Ersatzreifen besorgt.

Und dann war es soweit: Um halb sieben in der Früh am Sonnabend, 3. September, startete unser Rettungswagen für Kobane zu der langen Reise Richtung Diyarbakir.

An Bord sind Fettah, Achim und Oma Heidi. Fettah kennt die Strecke in seine Heimatstadt aus dem Effeff, spricht Türkisch und Kurdisch und weiß, wie man mit den Behörden in der Türkei verhandeln muß. Achim war viele Jahre als Fernfahrer in Europa unterwegs und kann alles reparieren. Heidi bringt einen unbeugsamen Optimismus mit, sorgt mit ihren 71 Jahren für „Seriösität“ und will in Diyarbakir Kontakte für weitere Projekte und für einen Austausch mit Dresden knüpfen.

Denn es bleibt dabei: Die Grenze nach Syrien ist von türkischer Seite zwar unpassierbar. Das hindert uns aber nicht, in der Region zu helfen. Von Diyarbakir aus können wir die Hilfe für geflüchtete Familien aus Kobane, die jetzt in der Türkei festsitzen, unterstützen. Wir wollen auch aber den Einheimischen helfen, die selbst Entbehrungen auf sich nehmen, um den Flüchtlingen zu helfen, und die unter dem Bürgerkrieg zwischen der türkischen Regierung und den Milizen der kurdischen Arbeiterpartei (PKK) leiden.

Wir hoffen, daß dieses Engagement auch über die Grenze ausstrahlt, und sei es symbolisch. Wir kommen nicht als Samariter, sondern wir suchen den Austausch. Wiederaufbau und Versöhnung statt Abschottung und Krieg. Das ist unser Ziel. Wenn das gelingt, leisten wir sinnvolle Außenpolitik von unten.

Reisevorbereitungen

Die Vorbereitungen für die große Fahrt des Rettungswagens für Kobane laufen auf Hochtouren:

Die Crew ist auf fünf Teilnehmer angewachsen, die jeweils besondere Fähigkeiten mitbringen. Denn es geht nicht nur darum, den Rettungswagen in die Region zu bringen, sondern auch darum, aus der Region Kontakte und Informationen über die Lage vor Ort wieder zurück nach Dresden zu bringen. Angeführt wird die Mission von Fettah Cetin, der aus Diyarbakir stammt und seit 20 Jahren Dresden zu seiner Heimat gemacht hat. Mit dabei sind eine pensionierte Lehrerin, ein zweiter Fahrer mit Mechaniker-Kenntnissen, ein Fachmann für Landwirtschaft und eine kurdische Dolmetscherin.

Wir haben bereits eine stattliche Zahl an medizinischen Geräten und Verbrauchsmaterial für die Erstversorgung und auch für den Krankenhausbetrieb als Spenden erhalten. Besonders geholfen haben uns hier die Helios-Kliniken, die in Sachsen acht Akut-Krankenhäuser und drei Spezialkliniken betreiben.

Ein wichtiges Thema bleibt die Bürokratie. Wir verhandeln mit deutschen und türkischen Behörden wegen der Zulassung des Wagens als nicht mehr aktives Rettungsfahrzeug einerseits und wegen der Einfuhr in die Türkei andererseits. Die Jagd nach den verlangten Genehmigungen ist es, die uns im Moment noch von der Abfahrt abhält.

In diesem Zusammenhang haben wir unsere Planung in einem wichtigen Punkt abgewandelt: Wir haben uns entschlossen, den Rettungswagen zunächst nur bis nach Diyarbakir zu bringen. Denn die Grenze nach Syrien ist durch die türkischen Behörden seit fünf Monaten hermetisch abgeriegelt. Weder Personen noch Fahrzeuge oder Güter dürfen passieren. Wir hatten gehofft, daß sich die Situation bis zu unserer Abreise bessern würde. Aber mehrere Hilfsorganisationen mit Erfahrungen in der Region wie auch die Regionalverwaltung in Diyarbakir bestätigen, daß es derzeit kein Durchkommen nach Syrien gibt.

Wir werden deshalb den Rettungswagen der Regionalverwaltung in Diyarbakir zur Verfügung stellen. Rund um die Stadt und in der gesamten Region leben überwiegend Kurden. Sie sind auf vielfältige Weise mit den Kurden auf der syrischen Seite der Grenze vernetzt. Der Rettungswagen kommt der Bevölkerung vor Ort zugute, aber eben auch den Zehntausenden von Flüchtlingen, die vor den Kämpfen in der Gegend von Kobane auf die türkische Seite geflohen sind und nun dort festsitzen. Mit unseren Partnern in Diyarbakir ist abgesprochen, daß das endgültige Ziel des Wagens Kobane bleibt.

Es geht uns nicht nur um den Rettungswagen an sich. Für die Menschen in der Grenzregion hat unsere Mission einen hohen symbolischen Wert. Gerade jetzt zeigen wir: Verliert nicht den Mut! Ihr werdet nicht im Stich gelassen. Deshalb reist die Crew auch mit dem Auftrag, neue Kontakte zu knüpfen und Informationen darüber zu sammeln, was zum Wiederaufbau gebraucht wird – für die Menschen in Kobane und für die Flüchtlinge auf der türkischen Seite, aber auch für alle Menschen in der Region.

Wir danken von Herzen allen, die uns in dieser aufreibenden Phase unterstützen! Dazu zählen aus der Politik unter anderem der Oberbürgermeister von Dresden Dirk Hilbert und die sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping (sie begleitet unsere Initiative als Schirmherrin) sowie mit fachlichem Rat und Taten der Geschäftsführer des Helios-Herzzentrums in Leipzig Dr. Roland Bantle und Andreas Wendler vom Fahrzeug-Auktionshaus Vonau in Chemnitz. Danke!

Gespräch vor der Kreuzkirche in Dresden mit Oberbürgermeister Hilbert am 25. Juli 2016.

Gespräch vor der Kreuzkirche in Dresden mit Oberbürgermeister Hilbert am 25. Juli 2016.

Wir haben ihn !

Unser Rettungswagen für Kobane Innenansicht Rettungswagen

Gefunden bei einem Gebrauchtwagenhändler in Leipzig.

Mercedes Sprinter mit WAS-Aufbau, Schaltgetriebe, Zulassung 07/2009, 233.000 km, 120 kW, extra starke Batterie, Klimaanlage vorne und hinten.

Für 12.000 Euro wurde er unser.
Unser Rettungswagen für Kobane!

Von Herzen Dank an alle Spenderinnen und Spender, die uns seit September 2015 unterstützt haben!

Zur Zeit stellen wir die Ausrüstung zusammen, stimmen uns mit anderen Hilfsorgansationen ab und klären die logistischen und bürokratischen Einzelheiten der Reise. Wir hoffen, daß wir Ende August dann nach Kobane aufbrechen können.

Danke, Pestalozzis ! Und so geht es weiter…

22. April 2016. Es sollte der erste große Auftritt des Rettungswagens für Kobane werden, und er sollte am Pestalozzi-Gymnasium stattfinden. Denn dort haben Schülerinnen und Schüler über Weihnachten mehr als eintausend Euro dafür eingesammelt.

Die Schülerinnen und Schüler waren da.
Die Ministerin und Schirmherrin der Aktion Petra Köpping auch.
Allein der Rettungswagen fehlt noch.

Dafür wehte ein Hauch Kobane durch die Aula in Dresden-Trachenberge. Winfried Schenk vom Nachrichtenportal „Menschen in Dresden“ berichtet:

Persönlicher Dank nur mit Reden? Nein. Der Vereinsvorsitzende Fettah Cetin hatte sich Unterstützung mitgebracht. Rapper Achmedo hatte kaum begonnen, da klatschte schon die volle Aula begeistert mit. Ali spielte auf der traditonellen Saz, einer kurdischen Langhalslaute, und dann wurde getanzt. Die Schritte waren nicht perfekt, die Stimmung dagegen war großartig.

Dankeschön-Aktion im Pestalozzi-Gymnasium, 22. April 2016. Foto: Winfried Schenk.

Dankeschön-Aktion im Pestalozzi-Gymnasium, 22. April 2016. Foto: Winfried Schenk.

>> vollständiger Beitrag auf menschen-in-dresden.de

Die kleine Veranstaltung im Pestalozzi-Gymnasium ist uns Anlaß für Rückschau und Ausblick:


Wie kam es eigentlich zu der Aktion Rettungswagen?

Der Entschluß entstand bei einem „Kobane-Ratschlag“ am 14. August 2015 in den gastlichen Räumen des Dresdner Vereins für deutsch-kurdische Begegnungen. Harun erzählte von seiner Reise im Juli an die türkisch-syrische Grenze. Er hatte mit Vertretern der Stadtverwaltung in der türkischen Provinzhauptstadt Diyarbarkir gesprochen. Diyarbakir wird mehrheitlich von Kurden bewohnt, und die Stadtverwaltung unterstützt den Wiederaufbau auf der anderen Seite der Grenze, im syrischen Kobane, so gut sie nur kann. Harun nannte drei Hilfsschwerpunkte, und wir wogen ab:

  • Patenschaft für Waisenkinder mit langfristiger Sicherheit: eine sehr persönliche Form der Unterstützung, aber damit es wirklich hilft, braucht es lange Bindungen. Dafür ist unsere Initiative zu jung.
  • Unterstützung beim Ausbau der Kanalisation: ein Mammutprojekt; uns fehlen die Ressourcen, fachlich wie finanziell.
  • Schenkung eines Rettungswagens, um die Krankenversorgung zu stabilisieren: Das erschien am ehesten machbar für Pieschen.

Im Oktober 2015 starteten wir dann mit Faltblättern und Briefen die Spenden­aktion, auch mit einem Brief an den Oberbürgermeister Herrn Hilbert, weitergeleitet an das Brand- und Katastrophenschutzamt. Seitdem sind sechseinhalb Monate vergangen. Wir haben viel Zuspruch erfahren von Dresdnern und vor allem auch Pieschenern. Auch Flüchtlinge aus dem syrisch-kurdischen Gebieten haben die Aktion unterstützt. Sie waren eine zeitlang in der Turnhalle in Dresden-Übigau notdürftig untergebracht und beteiligten sich am Elbeputz im Januar 2016, der mit einer Spendenaktion für den Retttungswagen verknüpft war.


Wie geht es jetzt weiter?

Im Moment beraten wir mit der Hilfsorganisation bei medico international, die seit längerem in Kobane aktiv sind, und mit der Uniklinik Dresden über das weitere Vorgehen. Zugleich suchen wir weiter nach einem günstigen Angebot für einen Rettungswagen.

Schließlich sammeln wir weiter, diesmal für die Ausstattung. Auch Sachspenden wären wunderbar! Denn zu einem guten Rettungswagen gehören:

  • Trage-Liege ca. 1.000 Euro
  • Beatmungsgerät ca. 2.000 Euro
  • EKG von 2.000 bis 20.000 Euro
  • Sauerstoff mit Druckgerät ca. 400 Euro
  • Verbandsmaterial, Medikamente

Auftritt der Schirmherrin – Dank an die Schüler*innen

Achtung, bitte vormerken: Am Freitag, 22. April 2016, wollen wir uns bei den Schülern und Schülerinnen des Pestalozzi-Gymnasiums in Dresden-Trachenberge bedanken. Sie haben um Weihnachten herum mehr als eintausend Euro für einen Rettungswagen für Kobane gesammelt.

Geplant ist, in der Mittagspause von 11.50 bis 12.25 Uhr auf dem Schulhof des Pestalozzi-Gymnasiums ein kleines Fest zu veranstalten. Petra Köpping, die sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration und Schirmherrin unserer Aktion, wird eine kurze Ansprache halten. Außerdem sind Musik und Tanz mit unseren kurdischen Freunden geplant. Wir informieren über den Stand der Aktion Rettungswagen. Und wir sammeln immer noch: Wenn der Rettungswagen demnächst nach Kobane fährt, soll er gut ausgestattet sein. Auch Schulmaterial wollen wir nach Kobane mitnehmen.

Vorplatz des Pestalozzi-Gymnasiums (Foto: Landeshauptstadt Dresden).

Vorplatz des Pestalozzi-Gymnasiums (Foto: Landeshauptstadt Dresden).